Ortsverein fordert Bürgerversammlung zum Gewerbegebiet!

Kommunalpolitik

Münnerstadt. Die SPD fordert eine Bürgerversammlung zum Thema „neues Gewerbegebiet an der B 19“. Dabei soll die Stadtverwaltung die Pläne detailliert erläutern und die Gegner sollen ihre Argumente vortragen können. Werden die Bedenken dabei nicht zerstreut, sollen die Mürschter per Bürgerentscheid selbst entscheiden, ob sie das Gewerbegebiet mit seinen zahlreichen Ladengeschäften überhaupt haben wollen. Das ist, kurz zusammengefasst, das Ergebnis des Treffens des SPD-Ortsvereins Münnerstadt im „Deutschherrnkeller“.

„Die Stadt blutet aus und wir schauen uns das an. Ich vermisse Initiativen der Stadtverwaltung, Läden in der Innenstadt anzusiedeln, da wo sie hin gehören“ kritisierte der Ortsvereinsvorsitzende Axel Knauff, „die Stadt muss Initiativen entwickeln, aber es passiert nichts, und nun das“. Ein neues Gewerbegebiet dürfe nicht der Ansiedlung von Geschäften dienen, die die Existenz der Läden den in der Innenstadt gefährden. Münnerstadt brauche Handwerksbetriebe, kleine Fabriken und ähnliches, die Vollzeit-Arbeitsplätze schaffen, wurde weiter gefordert. Damit könne erreicht werden, dass Einwohner nicht auswärts arbeiten und gar wegziehen müssen. Axel Knauff forderte auch, dass die Stadt Sitzungsvorlagen, zum Beispiel über das neue Gewerbegebiet, rechtzeitig vor einer Stadtratssitzung im Internet veröffentlicht, „auch den Vertragsentwurf der Stadt mit dem Investor würde ich gerne dort sehen“.

Stadtrat Peter Will betonte, er sei „nach jetziger Sachlage“ für das Projekt, denn es biete Chancen für die Stadt und die Bevölkerung. Wenn allerdings die Bezirksregierung zum Schluss komme, es sei Innenstadt-schädlich, dann könne es nicht realisiert werden. Will betonte „der vielfach herrschende Eindruck, dass schon alles gelaufen ist, ist falsch. Wenn man dem Projekt kritisch gegenüber steht und Bedenken hat, ist es nicht zu spät. Das ganze Projekt kann noch gestoppt werden“. Er verwies auch auf die Anhörung der zahlreichen Behörden und Stellen, die alle erst noch ihre Ansicht kundtun müssen, bevor dann der Stadtrat endgültig entscheidet. Allerdings ging ihm die Entscheidungsfindung im Stadtrat doch etwas zu rasch, „das mit diesem Projekt war schon etwas überfallartig“. Will forderte die Inhaber der Innenstadtgeschäfte auf „sie müssen sich jetzt mal zusammensetzen und ihre Bedenken formulieren“.

Stadträtin Britta Bildhauer meinte ebenfalls, das neue Gewerbegebiet mit seinen Geschäften seine eine „Chance und Bereicherung, auch für junge Familien, die preiswert einkaufen wollen und müssen“. Es gebe nun einmal wenig Möglichkeiten, solche größeren Geschäfte in der engen Innenstadt anzusiedeln. Man könne so immerhin verhindern, dass die Kaufkraft in Nachbarstädte abfließe.

Kritisiert wurde beim Treffen des SPD-Ortsvereins auch, dass nach einer möglichen Verlagerung des Lidl-Marktes auf dem Schindberg eine Industriebrache entstehe. „Ich sehe die Gefahr, dass wir dann dort oben Verhältnisse bekommen wie seinerzeit bei der Gewehrfabrik“, so Axel Knauff. Er schlug vor, intensiv zu versuchen, Geschäfte auf dem Anger anzusiedeln, „dann bekommen wir vielleicht doch wieder Leben in die Innenstadt“.

Der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Willi Michel ergänzte „Münnerstadt darf nun nicht die Fehler machen, die viele andere Städte in Unterfranken gemacht haben. Wir können kein kleines Stuttgart 21 hier gebrauchen“.

AUCH BÜRGERENTSCHEID?

Axel Knauff forderte schließlich, dass die Stadtverwaltung möglichst bald und vor der Einleitung weiter Schritte eine offizielle Bürgerversammlung einberuft. Dort sollen dann alle Argumente für und gegen das Gewerbegebiet an der B19 auf den Tisch kommen. Die beiden SPD-Stadträte wollen nun im Stadtrat einen entsprechenden Antrag stellen, sagten sie ausdrücklich zu. „Wenn die Bescheide Anhörung der Behörden vorliegen, würde ich noch mal eine Bürgerversammlung fordern“ ergänze Peter Will. Er unterstützt ebenso wie seine Stadtratkollegin Britta Bildhauer auch die Forderung des SPD-Ortsvereins, je nach Verlauf des weiteren Verfahrens und der Diskussionen per Bürgerentscheid die Münnerstädter Einwohner entscheiden zu lassen, ob sie das Gewerbegebiet mit seinen Geschäften so haben wollen.