Windenergie hat Zukunft

Lokalpolitik

Münnerstadt. Die Atomenergie steht in Deutschland unmittelbar vor dem Aus. Wie geht es weiter? Der SPD-Ortsverein Münnerstadt hatte, um der Antwort darauf ein wenig näher zu kommen, Dr. Robert Römmelt, Bürgermeister von Riedenberg und Energieexperte der SPD im Landkreis Bad Kissingen, eingeladen.

Zwei Stunden lang diskutierten die Genossen im Gasthaus Hellmig mit ihm vor allem Fragen der Windenergie, aber auch anderer möglicher Energiequellen. „Ich versuche seit 20 Jahren, Windanlagen in die Rhön zu bekommen, aber es gab eine Blockade von Seiten der CSU, die haben das nicht gewollt“, betonte Römmelt gleich zu Beginn seiner Ausführungen. „Ich bin seit langem ein entschiedener Gegner der Kernenergie, da ich selbst in Tschernobyl war und dort viel gesehen habe“ betonte er. Auch die zivile Nutzung der Kernenergie habe einen militärischen Hintergrund, da damit Plutonium zum Bau von Atombomben produziert werden könne. Er kritisierte auch die Privatisierung der deutschen Kraftwerke und der Netze. Weitgehend sei der Netz-Aufbau vernachlässigt worden: „die privaten Eigentümer investieren nichts, sie fahren die Anlagen runter“.

„Unser alltägliches Leben ist untrennbar mit Energie verbunden“, sagte Römmelt, doch schon in absehbarer Zeit gingen die Vorräte der seit 300 Jahren genutzten fossilen Energiequellen (Kohle, Öl, Gas), aber auch an Uran, zu Ende. Dann müsse man endgültig auf andere Quellen wie Sonne, Wind, Wasser, Pflanzen, Gravitation, Erdwärme umsteigen.

In Münnerstadt sind als mögliche Standorte Seelenberg und Katzenholz ausgewiesen. „Aber die Stadtwerke Bad Kissingen wollen ihr Wasserschutzgebiet ausweiten. Dann sind da solche Eingriffe in den Boden wie der Bau von Windanlagen verboten“ fürchtet SPD-Stadtrat Peter Will. Das sei überzogen und „ein Hemmschuh für die Verwirklichung solcher Anlagen. Ich möchte, dass die Stadtwerke Bad Kissingen solchen Anlagen keine Prügel in den Weg werfen“. Will wies auch darauf hin, dass im Flächennutzungsplan der große östliche Teil von Münnerstadt weitgehend „windkraftfreie Zone“ sei, da hier „Problemvögel und Fledermäuse“ festgestellt worden seien, die man schützen wolle. Doch direkt daneben, in Großbardorf an der Grenze zu Großwenkheim, seien Vorbehaltsflächen für Windkraftanlagen ausgewiesen - „kennen die Vögel die Grenze denn?“

Robert Römmelt betonte, dass Städte und Gemeinden nur sehr begrenzten Einfluss auf die Planung von Windkraftanlagen haben, da der regionale Planungsverband dies an sich gezogen habe. Die Stadt Münnerstadt könne hier nur Wünsche anmelden. Wenn Windräder auf städtischem Grund gebaut würden, könne die Stadt eine Umsatzpacht vereinbaren. Ausführlich diskutiert wurde, wie die Trägerschaft solcher Anlagen gestaltet werden soll. „ich hab das gerne in öffentlicher Hand“ betonte Römmelt auf die Frage „wie siehst Du Stadtwerke Münnerstadt?“ von Peter Will. Römmelt verlangte, der Staat, der bis vor 15 Jahren weitgehend Eigentümer der Kraftwerke gewesen sei, müsse hier zurück steuern. Er warnte davor, dass Windenergie und andere Energiequellen nun wieder von den großen privaten Stromkonzernen an sich gerissen würden. Axel Knauff, der Vorsitzende des SPD-Ortsverein, meinte dazu „die wirklich guten Standorte für Windkraftanlagen haben sich schon Private gesichert“.

Die Standortfrage allerdings scheint noch nicht wirklich geklärt, denn Römmelt hob hervor „der vorhandene Windatlas ist sehr unscharf und zu wenig präzise“. Deshalb seien in jedem Fall vorherige Messungen nötig, wenn man wirklich Energie gewinnen und keine reinen Abschreibungsanlagen errichten wolle. „Ab 400 Meter Höhe geht es meist“, weiß Römmelt.
Sein Fazit: „Windenergie ja, aber es müssen verlässliche Daten her. Wer hier einsteigen will, muss den Wind selbst messen. Und sorgt dafür, dass das alles breites öffentliches Eigentum wird“.