Bald in einer Geisterstadt?

Presse

Münnerstadt „Leben wenige jüngere und sehr viel mehr ältere Menschen bald in einer Geisterstadt?“ - mit dieser provokativen Frage begann Hartmut Hessel die zweite Veranstaltung des SPD-Ortsvereins und der SPD-Fraktion im Stadtrat zum Thema „Münnerstadt 21“. Im Mittelpunkt des Abends stand der Demographiebericht der Bertelsmann-Stiftung mit seinen für Münnerstadt wenig positiven Aussagen. Wie der SPD-Ortsvereinsvorsitzende und Zweite Bürgermeister dazu erläuterte, sagt diese Studie bis zum Jahr 2020 einen Rückgang der Einwohnerzahl um 4,3 Prozent voraus, gleichzeitig steigt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung von 41,2 Jahren (2003) auf 48,2 Jahre (2020). „Die Kerne der Dörfer und der Innenstadt werden durch Wegzüge und Alter immer leerer, in Münnerstadt auch durch Verminderung der Wohnqualität“, so Hessel weiter. Er fürchtet „wenn die Jungen merken, dass die Alten überhand nehmen, gehen sie weg“. Die Einfamilienhäuser in den Bezirken rund um die Innenstadt würden von immer weniger Menschen bewohnt, „und irgendwann werden diese Häuser leer stehen und nicht mehr so schnell wieder bewohnt, dann gehen auch die Immobilienpreise runter“. Was ist dagegen zu tun? „Wohnraum der frei wird, muss so attraktiv sein, dass junge Leute und Familien kommen und bleiben, und der Preis muss stimmen“.

In der anschließenden Diskussion wurde einerseits versucht, Wege aufzuzeigen, wie diese Entwicklung gebremst werden kann, andererseits ging es auch darum, wie die Stadt so gestaltet werden kann, dass auch ältere Menschen hier gut leben können. „Man kommt als Gehbehinderter kaum zu den Bushaltrestellen und in die Busse“, stellte ein Diskussionsteilnehmer fest. Für Rollstuhlfahrer seien Einrichtungen wie Post, Sparkasse und Alte Aula sowie die Praxen aller Ärzte wegen hoher Treppen nicht ohne weiteres zugänglich. Wichtig sei für die Attraktivität der Stadt die Erhaltung der sportlichen wie auch kulturellen Einrichtungen, betonte Hartmut Hessel, „aber werden zum Beispiel das Sportzentrum und das Hallenbad von Alten noch angenommen und kann die Gemeinde das noch bezahlen?“ Die Antwort kam prompt vom Vorsitzenden des TSV, SPD-Stadtrat Peter Will: „Kein Mensch weiß, was 2020 ist. Immer mehr Leute haben Interesse an Gesundheitssport, der Bedarf wächst sogar. Das Defizit für das Sportzentrum ist vertretbar. Das Defizit für das Hallenbad ufert zur Zeit aus.“ Doch Will betonte auch „ich will, dass das Hallenbad bleibt“. Bezirksrätin Christine Müller ärgerte sich „man redet immer nur negativ vom Münnerstädter Hallenbad, dabei hat es eine wichtige Funktion auch für Ältere. In Münnerstadt ist es ruhiger , in Bad Königshofen und in Bad Neustadt ist immer nur ‚Fun’, und das wollen viele nicht“.

Ein Diskussionsteilnehmer betonte, zur Steigerung der Attraktivität von Münnerstadt müssten zur Schaffung neuer Arbeitsplätze auch neue Betriebe angesiedelt werden. Das könne die Abwanderung junge Leute verhindern. Der im Rahmen des Stadtumbau West einzustellende Stadtmanager solle sich nach Vorgaben des Bürgermeisters und des Stadtrates auch darum kümmern, antwortete Hartmut Hessel.

Die Bemerkung „Münnerstadt ist eine schöne Stadt, deshalb bin ich auch noch hier. Aber geboten wird fast nichts“ leitete über zu einer Diskussion über die Verkehrsanbindung. „Wer kein Auto hat, der hat große Probleme. Es fahren viel zu wenig Busse, und die Zugverbindungen sind auch nicht optimal“, so der Diskussionsteilnehmer. Auch die hohen Fahrpreise für Busfahrten wurden kritisiert. „Ein Problem, das wir seit Jahren haben“, so dazu Hartmut Hessel. Schließlich brachte Christine Müller noch die Musikschule in die Diskussion ein. Viele Mütter brächten ihre Kinder von außerhalb zum Musikunterricht. Während der Wartezeiten solle es Angebote für die Mütter geben. „Mit den Leuten reden, was sie sich vorstellen“ empfahl Peter Will. Hartmut Hessel regte an, das sich der neue Stadtmanager darum kümmert.