Eine Lehrstunde in Zeitgeschichte!

Ortsverein

Gemeinsam gefeiert

Münnerstadt. Schon über 20 Jahre hält die Freundschaft zwischen den SPD-Ortsvereinen Münnerstadt und Schleusingen (Thüringen), und deshalb feierten sie auch „20 Jahre deutsche Einheit“ zusammen mit einer Delegation des Ortsvereins Plettenberg (Nordrhein-Westfalen) gemeinsam und mit vielen Gästen im Café Winkelmann. Die Festrede hielt die Schleusinger Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke. Sie lobte nicht nur die Hilfe aus dem Westen für die neuen Bundesländer, sie fand auch kritische Worte und zeigte Fehlentwicklungen auf.

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20 Jahre deutsche Einheit feierte die Mürschter SPD. Mit dabei waren (v.l.n.r. auf dem oberen Bild) Gerd Müller (Münnerstadt), die Schleusinger Ortsvereinsvorsitzende Marianne Didschuneid, Bürgermeister Helmut Blank, die Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar, Ortsvereinsvorsitzender Willi Michel, die Schleusinger Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke und ihre Kollegin Susanne Kastner. Die Kirchen und das Museum in Münnerstadt besichtigten unter Führung von Klaus-Dieter Guhling die SPD-Mitglieder aus Schleusingen und Plettenberg zusammen mit ihren Freunden aus Münnerstadt (unteres Bild).

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„Schleusingen und Münnerstadt sind in Berliner SPD-Kreisen jetzt ein Begriff“ freute sich Willi Michel, der Mürschter Ortsvereinsvorsitzende, als er die Gäste zum Festakt begrüßte. Er spielte damit auf die Wandzeitungen und Plakate im Saal an, mit denen sich die beiden Ortsvereine eine Woche zuvor gemeinsam beim Bundesparteitag der SPD in Berlin präsentiert hatten. Bürgermeister Helmut Blank sagte spontan zu, dass die Wandzeitungen im Rathaus präsentiert werden dürfen. Michel konnte auch die Bundestagsabgeordnete Susanne Kastner , die Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar, Altbürgermeister Ferdinand Betzer sowie eine Abordnung des Ortsvereins Ebern, der in der Anfangszeit den Ortsverein Schleusingen tatkräftig unterstützt hatte, begrüßen.

Die Festrede der Bundestagsabgeordneten Iris Gleicke war eine packende Lehrstunde in Zeitgeschichte. „Die meisten von uns hatten sich ins Privatleben zurückgezogen, hatten resigniert, hatten Angst“ schilderte sie die Situation in der Endzeit der DDR. Die zu offensichtlichen Fälschungen der Kommunalwahlergebnisse und der Beifall von Egon Krenz für die Niederschlagung des Studentenaufstandes in Peking 1989 seien dann der Zündfunke gewesen für die weitere Entwicklung, die dann schließlich zum Mauerfall am 9. November und knapp ein Jahr später zur Wiedervereinigung geführt habe. „Ich wusste, wenn ich jetzt nicht mitmische, muss ich mich ein Leben lang vor mir schämen“, bekannte sie und war deshalb bei der Gründung des neuen Forums am 1. November 1989 mit und später bei der Wiedergründung der SPD mit an vorderster Stelle dabei. „Nicht alle Hoffungen haben sich erfüllt, aber wird haben die Grundrechte und Grundfreiheiten, wie zum Beispiel die Pressefreiheit“ meinte sie rückblickend, „es ist ein großes Plus, dass wir wieder ein geeintes Land sind, aber es gibt schon einen bitteren Beigeschmack im Osten wie im Westen“. Viele Bürger fühlten sich, trotz „Aufbau Ost“, als Bürger zweiter Klasse, die um ihre Lebensleistung betrogen worden seien. Noch heute liege das Einkommensniveau nur bei 70 Prozent des Westniveaus, wofür es keinen Grund mehr gebe. Sie kritisierte die „gigantische Deindustrialisierung. Missliebige Konkurrenz im Osten sei von Westunternehmen aufgekauft und dann geschlossen worden. Ostdeutschland sei streckenweise zur „verlängerten Werkbank des Westens“ geworden. Sie räumte ein „es gibt schreckliche Beispiele für Fehlentwicklungen, Geldverschwendung und unsinnige Förderung im Osten, aber das gibt es auch im Westen“. Insgesamt aber sei viel erreicht worden dank der Solidarität des Westens und der Anstrengungen im Osten.

Iris Gleicke erzählte auch von der Wiedergründung der SPD in Schleusingen. „Eines Tages klingelten zwei Leute an meiner Tür. Sie sahen nicht wie Stasi aus, deshalb hab ich sie dann zum Kaffee reingebeten und sie haben ihre Hilfe angeboten“. Doch zur Gründungsversammlung wurden sie ausgeladen, um jeden Anschein von West-Einfluss zu vermeiden, „das war sicher ehrenwert, aber doof“. Diese beiden Leute, das waren Christine und Gerd Müller aus Münnerstadt. Geld Müller schilderte denn auch sehr plastisch, wie er und seine Frau den Kontakt anknüpften und wie daraus dann zwar keine offizielle Partnerschaft der Städte wurde, aber eine seitdem haltende Freundschaft zweier SPD-Ortsvereine, zu der sich auch der Ortsverein Plettenberg in Nordrhein-Westfalen gesellte. „Ich bin zufrieden, etwas bewegt zu haben, was heute noch am Leben ist und ich freue mich auch, dass Iris Gleicke es in kürzester Zeit geschafft hat, von Null auf Hundert und in den Bundestag zu kommen“, so Müller.

„Das war eine Lektion in deutscher Geschichte“ betonte die Bundestagsabgeordnete Susanne Kastner. Deutschland habe die Wende „trotz allem“ gut gemeistert. Es gebe noch immer Handlungsbedarf. Für das Lohngefälle gebe es keinen Grund, „erstaunlich, das darüber im Bundestag niemand spricht“. Die Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar hob in ihrem Grußwort das Engagement von Christine und Gerd Müller, die viel für den Aufbau der SPD in Schleusingen getan hätten, hervor.

Münnerstadt. Schon über 20 Jahre hält die Freundschaft zwischen den SPD-Ortsvereinen Münnerstadt und Schleusingen (Thüringen), und deshalb feierten sie auch „20 Jahre deutsche Einheit“ zusammen mit einer Delegation des Ortsvereins Plettenberg (Nordrhein-Westfalen) gemeinsam und mit vielen Gästen im Café Winkelmann. Die Festrede hielt die Schleusinger Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke. Sie lobte nicht nur die Hilfe aus dem Westen für die neuen Bundesländer, sie fand auch kritische Worte und zeigte Fehlentwicklungen auf.

„Schleusingen und Münnerstadt sind in Berliner SPD-Kreisen jetzt ein Begriff“ freute sich Willi Michel, der Mürschter Ortsvereinsvorsitzende, als er die Gäste zum Festakt begrüßte. Er spielte damit auf die Wandzeitungen und Plakate im Saal an, mit denen sich die beiden Ortsvereine eine Woche zuvor gemeinsam beim Bundesparteitag der SPD in Berlin präsentiert hatten. Bürgermeister Helmut Blank sagte spontan zu, dass die Wandzeitungen im Rathaus präsentiert werden dürfen. Michel konnte auch die Bundestagsabgeordnete Susanne Kastner , die Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar, Altbürgermeister Ferdinand Betzer sowie eine Abordnung des Ortsvereins Ebern, der in der Anfangszeit den Ortsverein Schleusingen tatkräftig unterstützt hatte, begrüßen.

Die Festrede der Bundestagsabgeordneten Iris Gleicke war eine packende Lehrstunde in Zeitgeschichte. „Die meisten von uns hatten sich ins Privatleben zurückgezogen, hatten resigniert, hatten Angst“ schilderte sie die Situation in der Endzeit der DDR. Die zu offensichtlichen Fälschungen der Kommunalwahlergebnisse und der Beifall von Egon Krenz für die Niederschlagung des Studentenaufstandes in Peking 1989 seien dann der Zündfunke gewesen für die weitere Entwicklung, die dann schließlich zum Mauerfall am 9. November und knapp ein Jahr später zur Wiedervereinigung geführt habe. „Ich wusste, wenn ich jetzt nicht mitmische, muss ich mich ein Leben lang vor mir schämen“, bekannte sie und war deshalb bei der Gründung des neuen Forums am 1. November 1989 mit und später bei der Wiedergründung der SPD mit an vorderster Stelle dabei. „Nicht alle Hoffungen haben sich erfüllt, aber wird haben die Grundrechte und Grundfreiheiten, wie zum Beispiel die Pressefreiheit“ meinte sie rückblickend, „es ist ein großes Plus, dass wir wieder ein geeintes Land sind, aber es gibt schon einen bitteren Beigeschmack im Osten wie im Westen“. Viele Bürger fühlten sich, trotz „Aufbau Ost“, als Bürger zweiter Klasse, die um ihre Lebensleistung betrogen worden seien. Noch heute liege das Einkommensniveau nur bei 70 Prozent des Westniveaus, wofür es keinen Grund mehr gebe. Sie kritisierte die „gigantische Deindustrialisierung. Missliebige Konkurrenz im Osten sei von Westunternehmen aufgekauft und dann geschlossen worden. Ostdeutschland sei streckenweise zur „verlängerten Werkbank des Westens“ geworden. Sie räumte ein „es gibt schreckliche Beispiele für Fehlentwicklungen, Geldverschwendung und unsinnige Förderung im Osten, aber das gibt es auch im Westen“. Insgesamt aber sei viel erreicht worden dank der Solidarität des Westens und der Anstrengungen im Osten.

Iris Gleicke erzählte auch von der Wiedergründung der SPD in Schleusingen. „Eines Tages klingelten zwei Leute an meiner Tür. Sie sahen nicht wie Stasi aus, deshalb hab ich sie dann zum Kaffee reingebeten und sie haben ihre Hilfe angeboten“. Doch zur Gründungsversammlung wurden sie ausgeladen, um jeden Anschein von West-Einfluss zu vermeiden, „das war sicher ehrenwert, aber doof“. Diese beiden Leute, das waren Christine und Gerd Müller aus Münnerstadt. Geld Müller schilderte denn auch sehr plastisch, wie er und seine Frau den Kontakt anknüpften und wie daraus dann zwar keine offizielle Partnerschaft der Städte wurde, aber eine seitdem haltende Freundschaft zweier SPD-Ortsvereine, zu der sich auch der Ortsverein Plettenberg in Nordrhein-Westfalen gesellte. „Ich bin zufrieden, etwas bewegt zu haben, was heute noch am Leben ist und ich freue mich auch, dass Iris Gleicke es in kürzester Zeit geschafft hat, von Null auf Hundert und in den Bundestag zu kommen“, so Müller.

„Das war eine Lektion in deutscher Geschichte“ betonte die Bundestagsabgeordnete Susanne Kastner. Deutschland habe die Wende „trotz allem“ gut gemeistert. Es gebe noch immer Handlungsbedarf. Für das Lohngefälle gebe es keinen Grund, „erstaunlich, das darüber im Bundestag niemand spricht“. Die Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar hob in ihrem Grußwort das Engagement von Christine und Gerd Müller, die viel für den Aufbau der SPD in Schleusingen getan hätten, hervor.

Die Schleusinger und Plettenberger Genossinnen und Genossen waren schon am Morgen in Münnerstadt angekommen. Gemeinsam mit den Freunden azus Münnerstadt besischtigten sie unter Führung von Klaus-Dieter Guhling die Münnerstädter Kirchen und das Museum. Außerdem awnderten sie auf dem Michelsberg bis zur Ruine. Die Gäste waren begeistert. "Wir kommen im Sommer wieder und machen hier Urlaub", sagten einige von ihnen.