Florian Pronold: "Macht weiter so!"

Ortsverein

Als spätabends alles vorüber war, fiel Hartmut Hessel und seiner Mannschaft ein Stein vom Herzen: das Wetter hatte doch noch mitgespielt, das Fest zum 100-jährigen Bestehen des SPD-Ortsvereins Münnerstadt, zu dem zahlreiche Gäste in den Innenhof des Deutschordensschlosses gekommen waren, war ein voller Erfolg. Höhepunkt war die Rede des stellvertretenden bayerischen SPD-Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Florian Pronold aus Deggendorf. Er dankte den Genossen in Münnerstadt für ihr Engagement: „Ohne Euch wäre es kälter, macht weiter so“.

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Oberes Bild: Beim Jubiläumsfest des SPD-Ortsvereins Münnerstadt wurden Hartmut Hessel (links), Christine Müller (daneben) und Gerd Müller (rechts) geehrt. Unser Bild zeigt sie zusammen mit der stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden Britta Bildhauer.

Unteres Bild: Der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold (links) hielt die Festrede beim Jubiläumsfest des SPD-Ortsvereins Münnerstadt. Zusammen mit Landtagskandidatin Sabine Dittmar (rechts) hatte er zuvor in einer kommunalpolitischen Konferenz Kommunalpolitikern aus dem Landkreis Rede und Antwort gestanden.

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Dank vom Bürgermeister

Ortsvereinsvorsitzender Hartmut Hessel konnte zahlreiche Gäste begrüßen, darunter Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner sowie Kommunalpolitiker und Vertreter von SPD-Ortsvereinen aus dem ganzen Landkreis. Bürgermeister Helmut Blank betonte in seinem Grußwort „die Gegenwart gestalten und die Weichen für die Zukunft stellen, dieser Aufgabe hat sich die SPD gestellt“. Er bedankte sich ausdrücklich für die „gute Zusammenarbeit“ mit der SPD. Mitglieder wie Klaus-Peter Will, Klaus-Dieter Guhling, Christiane und Gerd Müller sowie Hartmut Hessel hätten sich bleibende Verdienst um die Stadt erworben und mit Worten und Taten überzeugt.

Glückwünsche überbrachte auch Sabine Dittmar (Maßbach), SPD-Landtagskandidatin sowie Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion und des SPD-Kreisverbandes und wünschte „Glückauf für die nächste Zeit im Ortsverein“. Klaus-Dieter-Guhling spannte in seinem Rückblick den Bogen von der Zeit, als die Genossen noch als „vaterlandslose Gesellen“ und die SPD als „gemeingefährliche Umsturzpartei“ angesehen wurden bis heute. „Dass die SPD in Bayern gegen den Strom schwimmen muss, hat sich nie wirklich geändert“, so sein Fazit. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg habe die SPD in Münnerstadt ein „Minderheiten-Abonnement“ gehabt, so habe der rote Bürgermeisterkandidat im Jahr 1952 gerade 6,5 Prozent der Stimmen bekommen, während die Stadtratsliste zehn Prozent und damit ein Mandat bekam. Von ihm stammt übrigens auch die Ausstellung mit Dokumenten aus der Münnerstädter SPD-Geschichte, die im Schloss-Innenhof gezeigt wurde.

„Als die SPD antrat, war es eine reine Utopie, für den Acht-Stunden-Tag zu kämpfen, für eine Krankenkasse, für eine Rentenversicherung“ – daran erinnerte Florian Pronold in seiner Festrede. Der Acht-Stunden-Tag sei zwar 1919 errungen worden, aber heute gefährdet durch Leiharbeit oder die Forderung von Arbeitgebern nach unbezahlten Überstunden. Viele könnten trotz einer Vollzeitstelle heute nicht mehr von ihrer Arbeit leben. 1,5 Milliarden Euro pro Jahr müssten für Lohnaufstockung gezahlt werden, „das ist Steuerverschwendung, wir brauchen ganz schnell den Mindestlohn“ forderte er. Eines der wichtigsten Themen für die Zukunft ist für ihn die Bildungspolitik: „Die Chance auf höhere Bildung darf nicht davon abhängen, was der Papa im Geldbeutel hat“. Laut Pisa-Studie sei dies aber gerade in Bayern ganz besonders ausgeprägt. Deshalb müsse sehr schnell die Schul- und Bildungspolitik modernisiert werden. Er forderte auch mehr Betreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren. Zur Zeit seien 80 Prozent aller derartigen Einrichtungen in Bayern in sozialdemokratischen geführten Städten. Ganztagesschulen, früher von der CSU als „sozialistisches Teufelszeug aus der DDR“ geschmäht, würden inzwischen auch von dieser Partei befürwortet.

Natürlich nutzte er die Gelegenheit auch für einige Wahlkampf-Töne: „Wer sein Kreuz am 28. September bei der SPD macht, muss selbst keines tragen“. Die Vorgänge um die Landesbank hätten bewiesen, dass die verantwortlichen CSU-Politiker nicht mit Geld umgehen könnten. Die Bank solle sich nicht mit dubiosen Geschäften in den USA, sondern mit Mittelstandsförderung auf dem flachen Land in Bayern engagieren. Welche Ambitionen er für die Zukunft hat? Dazu zitierte er seine eigene launische Antwort in einem Zeitungsinterview: „Bundeskanzler wäre mir zu einfach, ich will zweiter sozialdemokratischer Ministerpräsident in Bayern werden“.

Verdiente Mitglieder geehrt

Das Fest des SPD-Ortsvereins Münnerstadt war auch der würdige Rahmen, um drei Mitgliedern zu danken, die über Jahrzehnte in der Kommunalpolitik und in der SPD engagiert waren. „Hartmut Hessel ist ein Idealist und Visionär, der immer seiner Zeit voraus war, manchmal auch zu weit voraus“ hob Gerd Müller, sein langjähriger Weggefährte hervor. Er sei über viele Jahre in der Stadt „der Motor vor alle für junge Kunst und Kultur“ gewesen. Im Ortsverein sei er immer zur Stelle gewesen, wenn Not am Mann gewesen sei und habe mit neuen Ideen frischen Wind hinein gebracht. Der überzeugte Sozialdemokrat habe die Ämter als Stadtrat, Zweiter Bürgermeister und Kreisrat, die er bis vor wenigen Monaten inne hatte, mit außerordentlichem Engagement und Fleiß ausgefüllt. Hessels Stellvertreterin im Ortsvereinsvorstand, Stadträtin Britta Bildhauer, überreichte ihm ein Geschenk.

Hartmut Hessel würdigte die Verdienste von Christine und Horst Müller: Mit der Initiative „Frauen stiften zum Frieden an“ habe Christine Müller erstmals auf sich aufmerksam gemacht. Als langjährige Kreisrätin (bis Mai 2008) und als Bezirksrätin (seit 1990, 2008 kandidiert sie nicht mehr) habe sie sich insbesondere für behinderte und benachteiligte Menschen „mit Mut und Fairness“ engagiert und sei so zum Vorbild für viele geworden. Hessel würdigte auch ihren Mann, Gerd Müller, der sich als Vorsitzender im Ortsverein und Kreisverband engagierte, lange Jahre im Stadtrat und im Kreistag wirkte und für die SPD als Bürgermeister und Landrat kandidierte. Um Bürgermeister zu werden, fehlten ihm seinerzeit nur wenige Stimmen. Hessel überreichte beiden Geschenke zum Abschied aus der aktiven Politik.

Christine Müller bedankte sich für alle Geehrten und fügte hinzu „ich kämpfe im Moment in Bezirkstag für die behinderten Menschen und habe meine Probleme mit einer Partei, die Probleme damit hat, sich für die Rechte der Behinderten einzusetzen“.
Mit der „Flying Jazzband“ aus Bad Kissingen und vielen Gesprächen klang das Jubiläumsfest des SPD-Ortsvereins aus.